Ausstellung: "Verstummte Stimmen" in Darmstadt

Das 2006 von dem Historiker Hannes Heer, dem Musikjournalisten Jürgen Kesting, dem Gestalter Peter Schmidt realisierte und von der Axel-Springer-Stiftung finanzierte Ausstellungsprojekt widmet sich einem kaum untersuchten und nie dargestellten Kapitel aus der Nazizeit – der Säuberung der deutschen Opernhäuser. Dieser Eingriff bedeutete für Tausende von Musikern – Komponisten, Dirigenten, Intendanten, Sängerinnen und Sänger – Berufsverbot, Vertreibung oder Deportation. Von solchen Schicksalen erzählt die Ausstellung am Beispiel 44 prominenter Künstler. Aber sie rekonstruiert auch die Geschichte dieser Vertreibung am Beispiel des jeweiligen Opernhauses. Dieser Blick von unten rückt auch das Schicksal der weniger Prominenten ins Licht – der Solisten aus der zweiten Reihe, der Korrepetitoren, der Chor- und Orchestermitglieder, der Bühnenarbeiter, Handwerker und Angestellten.

Der größere, überregionale Teil der Ausstellung, der die 44 Biographien prominenter Verfolgter, vier Hörtürme mit Musikproben der Künstler und eine Darstellung der nationalsozialistischen Musikpolitik umfasst, ist fertig produziert und soll im Karolinensaal des Hessischen Staatsarchivs präsentiert werden.

Der kleinere Teil, die lokale Fallstudie über die Geschichte des Darmstädter Landestheaters und seiner fast 40 vertriebenen Ensemblemitglieder, darunter auch die des Sprechtheaters, muss neu recherchiert und produziert werden.

Die wissenschaftliche Rekonstruktion wird zeigen, dass dieses im Vergleich zu anderen viel größeren Theatern überproportionale Ausmaß der Verfolgung nur aus der deutschlandweit anerkannten Avantgarderolle des damaligen Darmstädter Theaters und des daraus resultierenden Hasses der Nationalsozialisten zu erklären ist. Dieser eigens für Darmstadt produzierte Ausstellungsteil wird in den Foyers des Staatstheaters zu sehen sein. Der Katalog wird diese exemplarische Geschichte der Pervertierung von Kunst und der Verfolgung von Künstlern über das flüchtige Ereignis einer Ausstellung hinaus festhalten.

Die Ausstellung wird mit einem künstlerischen und wissenschaftlichen Begleitprogramm – mit Vorträgen und Filmen, Liederabenden und szenischen Darbietungen – ergänzt und vertieft.

Unterrichtsmaterialien zum Herunterladen als PDF-Datei.



s. Artikel in der Frankfurter Rundschau vom 21. April 2009 "Jüdische Schauspieler: Zurück ins Rampenlicht"

s. Artikel im Darmstädter Echo vom 14. Mai 2009: "Forschen gegen das Vergessen"

Eröffnung der Ausstellung am 6. September 2009.

zu früheren Ausstellungsorten:

Verstummte Stimmen in Berlin 2009

Verstummte Stimmen in Stuttgart 2008

Projektträger: Jüdische Gemeinde Darmstadt