In einer Grundschule mit einem überwiegenden Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund werden internationale Märchen professionell erzählt. Um am wirtschaftlichen, demokratischen und kulturellen Leben aktiv und selbstbestimmt teilnehmen zu können, bedarf es als Grundvoraussetzung Sprachbeherrschung, sozialkommunikative Fähigkeiten und Selbstwirksamkeit. Über Sprache gewinnen wir Zugänge zur Welt, zum anderen und zum eigenen Ich.

Unser Projekt setzt nicht am defizitären Sprachniveau der einbezogenen Schüler an, sondern behauptet eine poetische, vom Alltagsidiom unterschiedene Sprache. Die Kinder erleben hier Sprache primär in ihrer emotional sinnlichen Qualität. Das lebendige Erzählen hält körperliche und emotionale Verständigungsebenen bereit, der auch nicht muttersprachliche Kinder genussvoll und konzentriert folgen können.

Volksmärchen entfalten ein abenteuerliches Geschehen, voller Leid und Not und gleichzeitig prall gefüllt mit Glück. Märchen helfen, emotionale Erfahrungen zu strukturieren. Das Verständnis von Märchen setzt Phantasie voraus und entwickelt diese gleichzeitig.

Die Schüler lernen andere als gewaltorientierte Konfliktlösungsmodelle und ein differenzierteres Menschenbild kennen als das aus den Medien und Computerspielen.

In den Erzählstunden werden die Kinder mit der eigenen und mit fremden Kulturen bekannt gemacht.

Das professionelle Erzählen tradierter Geschichten fördert insbesondere: Konzentration, Zuhörerkultur und Emphatie; die Fähigkeit, sich mittels Sprache auszudrücken und Konflikte zu lösen; Selbstwirksamkeit und interkulturelle Kompetenz; Erzählkompetenz und Kreativität. 

Über den Zeitraum mindestens eines Jahres werden in 1-2 Projektklassen einmal pro Woche im Rahmen des Unterrichts internationale Märchen erzählt. Zusätzlich finden alle 4 Wochen Projekttage statt, in welchen die Schüler durch theaterpädagogische Methoden gestützt, Märchen nacherzählen, spielen und selbst erfinden. Im Projektverlauf verschieben sich so die Proportionen von der reinen Rezeption zum aktiven Sprachgebrauch der Schüler. Hierbei werden existenzielle Themen der Kinder im Schutzraum der Märchen von ihnen selbst aktiv bearbeitet. Die Entwicklung der Schüler wird nach festgelegten Beobachtungskriterien dokumentiert. Er-fahrungen in Berliner Grundschulen haben gezeigt, dass durch das Erzählen, Nacherzählen bzw. selbst Erfinden von Märchen die Sprachkompetenz insbesondere bei solchen Kindern, die über erhebliche sprachliche Defizite verfügen und ein hohes Maß an Konzentrationsschwäche aufweisen deutlich gesteigert wird.

weitere Informationen
http://www.theatermacher.net/

Liste der erzählten Märchen aus der Vorklasse und den beiden 1. Klassen
Frau Holle - Grimm
Der Froschkönig - Grimm
Der Tannenbaum - Andersen
Hänsel & Gretel - Grimm
Der Wolf und die 7 Geißlein - Grimm
Der Hase und der Igel - Grimm
Der goldene Vogel - Grimm
Die sechs Schwäne - Grimm


Liste der erzählten Märchen in der 2. resp. 3. Klasse

Afrika
Die Nussdiebe
Das Märchen von Chuveane
Albanien
Das Froschmädchen
Arabien
Kalif Storch

Argentinien
Das Hühnchen Goldfüßchen
Dänemark
Die wilden Schwäne
Die Schneekönigin

Deutschland

Das Töpfchen mit dem Hulle-Bulle-Bäuchlein
Die drei Federn
Die goldene Gans
Der Teufel mit den drei goldenen Haaren
Brüderchen und Schwesterchen

Frankreich

Goldfuß
Die Tochter des Erbsenkönigs

Italien

Der Herr mit der silbernen Nase
Die hölzerne Maria
Weiß wie Milch und rot wie Blut

Polen

Der Schlangenkönig
Wie Susanka Patin bei den Wassergeistern wurde

Russland

Marjuschka
Zarentocher Frosch
Türkei
Teuer wie Salz
Bruder und Schwester