Die Veranstaltungen "Miteinander Leben - Martinsviertler Tage gegen Rassismus und rechte Gewalt" vom 13. bis zum 16. September 2007




Peter Schmidt
Schirmherr von "Miteinander Leben - Martinsviertler Tage gegen Rassismus und rechte Gewalt"

Liebe Martinsviertlerinnen, liebe Martinsviertler,

Ich habe als Junge die Zeit von Rassismus und rechter Gewalt in Darmstadt erlebt. Meine Mutter wurde als Judenhure beschimpft, weil sie bei Rothschild (Vorgängerbetrieb von Henschel & Ropertz) arbeitete. Sie musste sich bei der Gestapo rechtfertigen, weil ich als damals Vierjähriger Menschen, die den Judenstern trugen gegrüßt habe. Wir wohnten im Haus Bleichstraße Nr. 51, wo im Lager des Möbelgeschäftes Karn die Wohnungseinrichtungen der jüdischen Familien deponiert waren. Die Menschen wurden in die Konzentrationslager gebracht; die Möbel wurden an öffentliche Einrichtungen verteilt oder wohl auch privat verschachert. In der Schule in Kemtau/Erzgebirge betete ich als Erstklässler vor dem Unterricht:

"Händchen falten, Köpfchen senken,und an Adolf Hitler denken ':

Wir waren nach der Ausbombung vom September 1944 bis März 1945 in die Nähe von Chemnitz im Erzgebirge evakuiert worden. Mein Vater war schon 1941 bei Kämpfen in Russland vom nationalsozialistischen Deutschland und dem von ihm begonnenen Krieg um sein Leben gebracht worden.

MITEINANDER LEBEN - das ist etwas, was in der gesamten Welt und natürlich auch vor der eigenen Tür also auch hier im Martinsviertel- verwirklicht werden muss, wenn Friede zwischen den Menschen herrschen soll. Unser Stadtteil ist eine Mischung von Menschen, die schon lange hier leben und von überall in der Welt hier hergekommen sind. Weil hier und überall in Deutschland so Unterschiedliches an Herkunft, Kultur und Religion aufeinander trifft, ist es für ein friedliches Miteinander notwendig, fremde Kulturen, Religionen und Sitten zu akzeptieren und diese kennen zu lernen. Beide Seiten, die Alteingesessenen und die "Neuen" im Viertel müssen aufeinander zugehen. Im Martinsviertel haben wir, Gott sei Dank! - bis jetzt keine Probleme damit. Aber angesichts der aktuellen schlimmen neonazistischen und rassistischen Ereignisse an anderen Orten unserer Republik, erinnern uns diese Tage daran, wie wichtig das ist.

Die Initiative hat ein umfangreiches Programm auf die Beine gestellt. Ich danke den Menschen, die sich im Sinne von "Miteinander leben - gegen Rassismus und rechte Gewalt" engagieren. Ich wünsche den Veranstaltungen guten Besuch und Erfolg bei der Erreichung unseres gemeinsamen Ziels.




Donnerstag, 13.09.2007, auf dem Abenteuerspielplatz im Herrngarten
Rock gegen Rechts mit Triskilian


Triskilian - Mittelalterweltfolk auf historischen Instrumenten Triskilian begeistert seine Zuhörer mit dynamischen Eigenkompositionen und traditionellen Stücken aus dem Mittelalter. Mitreißende Andros aus der Bretagne, jüdische Gesänge, fetzige Oros vom Balkan, schwedische Tänze und vieles mehr. Ein Feuerwerk des Mittelalterweltfolks gemischt mit unbändiger Spielfreude und hinreißender Musizierkunst verzaubern und schaffen eine Welt der Fantasie, der Märchen und Mythen.


Freitag, 14.09.07 von 17.00 Uhr bis 19.30 Uhr, im Kirchhof der Martinsgemeinde
Lesezelt


Unter dem Motto "Miteinander Leben" präsentieren Kinder und Jugendliche des Martinsviertels gemeinsam mit der Buchhandlung Lesezeichen und der Kinder- und Jugendbücherei der Martinsgemeinde Bücher zum Thema.
In gemütlicher Zeltatmosphäre werden verschiedene Bücher in Bildern, kleinen Inszenierungen und Lesungen vorgestellt. Eine bunte Ausstellung begleitet diese Veranstaltung und lädt zum Schmökern ein. Zwischen den einzelnen Buchpräsentationen kann bei kleinen Leckereien ein Quiz gelöst oder einfach nur bei Musik verweilt werden
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Freitag, 14.09.07 um 20.00 Uhr, Gemeindehaus der Michaelsgemeinde, Liebfrauenstraße 8, Darmstadt, Lesung "Der unwerte Schatz", Buch von Tino Hemmann

Der Autor Tino Hemmann kommt auf Einladung der Literaturinitiative Darmstadt um selbst aus seinem Buch zu lesen. Das Buch ist dem grausamen Kapitel der nationalsozialistischen Kinder-"Euthanasie" gewidmet. Dieser "unwerte Schatz" ist Hugo Hasse!, eigentlich ein Junge nach dem Geschmack der Nazis, blond und blauäugig, mit überdurchschnittlicher Intelligenz und rascher Auffassungsgabe. Doch Hugo leidet an einer Persönlichkeitsstörung. Für Professor von Rasch von der Leipziger Universität ist er deshalb ein Schatz, den der Arzt für unwert erklärt, um Mittels des "Euthanasie"-Programms an Hugos Gehirn forschen zu können. Hemmann gelingt eine historisch weitgehend authentische und erzählerisch dichte und fesselnde Geschichte. Aus der anonymen und deshalb unfassbaren Masse der Opfer der "Euthanasie" tritt ein besonders tragisches Einzelschicksal heraus. Ein Buch, das bewegt und deshalb zu empfehlen ist.

Freitag, 14. 09.2007, von 19.30 bis 21.00 Uhr auf dem Riegerplatz

Miteinander leben und gemeinsam für unsere Interessen kämpfen - gegen die Spaltung in Deutsche und Ausländer

Die Verbesserung unserer Lage, die Auseinandersetzung um eine lebenswerte Zukunft erfordert das gemeinsame Vorgehen von Deutschen und Bürgern ausländischer Herkunft. Diese Einheit versuchen faschistische und reaktionäre Organisationen durch Rassismus und Ausländerhetze zu unterlaufen. Wir wollen in einem Rollenspiel einen "Gerichtsprozess" durchführen, in dem wir das Vorgehen der Faschisten und ihrer Hintermänner aufdecken und anprangern. Durch "Zeugen" soll das schädliche Treiben der Faschisten konkret deutlich werden; dazu sind Jugendliche, Zeitzeugen, Bürger. usw eingeladen, sich aktiv zu beteiligen. Es geht auch darum, wie der Kampf gegen den Faschismus geführt werden soll. Die Notwendigkeit alle faschistische Organisationen zu verbieten soll diskutiert werden. Das schließt durchaus auch eine kontroverse Meinung und Auseinandersetzung zum Verbot mit ein. Wer sich an dem Rollenspiel beteiligen möchte, Fragen und Anregungen hat, wendet sich bitte an:


Samstag, 15. 09. 2007, von 14-18 Uhr, im und um das Büro des Jugendrings, Eckhardtstraße 7, 
"Vom Rand in die Mitte"

Zu dem Thema lädt der Jugendring Darmstadt in und um sein Büro ein. An Plakatwänden werden die Ergebnisse einer Studie zu Rechtsextremismus in der Gesellschaft präsentiert. Wie verbreitet sind Rassismus, Chauvinismus, Sexismus oder Antisemitismus? Wo finden wir diese Gedanken? Um 16:00 Uhr wird ein Film zum Thema Rechtsextremismus unter Jugendlichen gezeigt und natürlich vor- und nachher diskutiert werden.



Sonntag, 16.09.2007, um 19 Uhr, HoffART-Theater, Lauteschlägerstraße 28, Darmstadt

In dem Theaterprojekt "Aicha", inszeniert und dargeboten vom HoffART Theater im Rahmen der "interkulturellen Woche", wird eine wahre und mutige Geschichte von einer jungen Frau erzählt, die ausbricht aus den mittelalterlichen Ritualen Togos, um in Deutschland Asyl zu suchen.

Dieses Stück beschreibt die Behördenwillkür in einem Dschungel von Paragraphen, wo alles denkbar, aber kaum etwas greifbar ist und selten Asyl gewährt wird. Dauer des Stücks 70 Minuten



Sonntag, 16.09.07, Zeitgeschichtlicher Rundgang durch das Martinsviertel


Sonntag, den 16.09.07, Internationales Sommerfest auf dem Kantplatz

Um miteinander zu leben und gegen Rassismus und rechte Gewalt einzutreten, müssen wir uns kennen lernen und den Zusammenhalt stärken. Wie kann das besser funktionieren als bei einem Fest?

Musik: Gruppe Adelante, Saz Spieler, Tanz, Gedichte, Spiele und internationales Essen und Trinken und eine Überraschungsband aus dem Martinsviertel.




Die Projekte des Lokalen Aktionsplans Darmstadt werden im  Rahmen des Bundesprogramms „VIELFALT TUT GUT. Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie“ gefördert.